Das Harkebrügger Volks- und Schützenfest

-Ein Dorf im Ausnahmezustand-

Nachdem der Schützenverein Harkebrügge über das Jahr verteilt an mehreren Schützenfesten in den umliegenden Orten teilgenommen hat, kann man ab Anfang August bei den Schützen eine immer größer werdende Unruhe verspüren. Dieses Kribbeln geht so ab der letzten Augustwoche auch auf die restliche Bevölkerung in unserem Dorf über.

Das Harkebrügger Schützenfest steht vor der Tür.

Immer mehr Schützen und Schützinnen treffen sich zum Übungsschießen. Die Schützenjacke ist ja noch so leer, da will man noch schnell versuchen Schnüre, Orden und Ehrenzeichen zu erringen.
Im Dorf werden schon die ersten Gerüchte laut wer denn wohl in diesem Jahr die Königswürde erringen könnte und wie es um seine Chance so steht.

Erste Schüler der dritten und vierten Klassen der Grundschule üben sich schon im Pfeile werfen um beim Auswerfen der Kinderkönigswürde weit vorne zu landen. Es gibt, so glauben viele Harkebrügger, nichts Schöneres als einmal als König oder Königin mit der Kutsche durch das geschmückte Dorf zu fahren.

Hecken werden beschnitten, Auffahrten akribisch abgefegt, Beete noch mal durchgeharkt den die Zeit wird knapp und es könnte ja sein, dass der König aus der Nachbarschaft kommt.

Bis hierher hört sich das noch alles „normal“ an, doch spätestens nach dem Königschießen, dass traditionell am Sonntag vor dem Schützenfest stattfindet, verändert sich etwas im Dorf.

Nachbarschaften finden sich zusammen, es wird darüber gesprochen ob noch genügend Flatter und Stäbe vorhanden sind, will man in diesem Jahr Fähnchen oder Girlanden aufhängen, wer hat das Material vom letzten Jahr, wo ist die beste Stelle fürs Laub holen und nicht zuletzt werden die neuen Nachbarn mit hinzugenommen und ihnen wir der Ablauf erklärt.
Immer öfter werden Personen an den Durchfahrtsstraßen Dingenberg-, Glittenberg-, Müggenberg-, Schepser– und der Dorfstraße gesehen, die, so scheint es, etwas suchen.

Spätestens am Freitag gegen Abend nimmt das Ungewöhnliche seinen Lauf. Überall sieht man, mit Bewohnern aus dem Dorf, vollbesetzte PKWs mit Anhängern auf der Suche nach Eichenlaub. Andere sitzen zusammen und basteln aus Krepppapier Blumen und Girlanden, reinigen Fähnchen und bringen das andere Schmückwerk in Ordnung.

Ab Samstagmittags geht es dann richtig los. Selbst in den entlegensten Straßen wird geschmückt. Hier werden Fahnen über die Straßen gespannt, dort werden, mit Eichenlaub umbundenen Bögen aufgestellt, anderswo stehen Stäbe mit Kronen aus Laub und Flatter an den Straßen. So hat jede Straße seine eigene Art zu schmücken und obwohl die Marschstrecke nur ca. 3 Kilometer lang ist werden im Dorf rund 50 Kilometer geschmückt.

Eine sehr anstrengende Aufgabe kommt dem neuen Schützenthron zu. Er nimmt das Schmücken in seinem Zuggebiet ab. Lobt die getane Arbeit und schenkt geistige Getränke aus, von denen auch er nicht verschont bleiben.

Ist die Arbeit getan sitzt man in gemütlicher Runde um die Nachbarschaft zu feiern. Zu späterer Stunde treffen sich jung und junggebliebene zum Jugendtanz im Festzelt.

Am Sonntagmittag treten Schützen und Schützinnen zum Festumzug durch das geschmückte Dorf an. An den Straßen stehen Besucher von nah und fern und schauen zu, wie Jahr für Jahr über 500 Schützen und Musiker durch unser Dorf marschieren. Überall ist man voll des Lobes über unser geschmücktes Dorf.
Nach dem Marsch begibt man sich auf den Festplatz um in geselliger Runde einige kühle Getränke zu sich zu nehmen. Dort sieht man auch viele ehemalige Bewohner, die das Schützenfest zum Anlass nehmen alte Freunde und Bekannte wieder zu treffen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt sodass man bis in die Nacht hinein im Festzeit bei Musik und Tanz feiert.

Traditionell wird das Fest am Montagmorgen mit einem Gottesdienst vorgesetzt. Nach einer Einlage für die Kleinsten am Kindergarten setzt sich der Tross der Schützen und Schützinnen mit Unterstützung des Musikvereins in Bewegung, um, nach einigen Stopps im Dorf, letztendlich im Festzelt den Frühschoppen ausklingen zu lassen.

Eine große Anzahl an Schützen und Schützinnen nimmt am frühen Montagnachmittag an der Abholung des Kinderkönigs teil. Dass man die Jungen und Mädchen im Ort nicht vergisst zeigt, dass für die Kinder die unterschiedlichsten Fahrgeschäfte aufgebaut sind und das der Montagnachmittag ganz im Zeichen des Kinderschützenfestes steht. Der Kinderkönig wird, genauso wie der König bei den Erwachsenen, mit der Kutsche abgeholt und nach einem Marsch durch unser Dorf auf den Festplatz, vor unzähligen Zuschauern, proklamiert und er empfängt seine Gäste am gleichen Thron.

Am Montagabend wird der neue König inthronisiert. Danach feiert Jung und Alt bis in den Morgen den Königsball.

Wenn man das so liest und sich das Dorf am Schützenfestwochenende so anschaut muss man sagen Harkebrügge feiert kein Schützenfest sondern ein Volks- und Schützenfest.

 

Volks- & Schützenfest Harkebrügge – Ein Dorf im Ausnahmezustand
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